Felsen / Historie

Klettern im Blautal
- eine alpine Tradition heute wie damals

Die Erschließungsgeschichte
der Kletterfelsen des Blautals

Wenn wir davon ausgehen, daß die Felsen des Blautals schon immer auf leichten frei begehbaren Wegen erstiegen wurden und die Verwendung von Haken als klettertechnische Hilfsmittel im wesentlichen erst nach 1900 Eingang gefunden hat, ist es zweifellos richtig, den Beginn der eigentlichen klettertechnischen Erschließung des Blautals mit dem Beginn unseres derzeitigen Jahrhunderts gleichzusetzen. Beispiele der Erschließungsgeschichte aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und danach: Der erste namentlich bekannte und wahrscheinlich überhaupt der erste eigentliche Erschließer der Kletterfelsen des Blautals auf Führen höherer Schwierigkeitsgrade war Heinrich Kreuzer.
Dieser hat mit Gefährten im Jahr 1908 den Ostriß sowie die Südwand des Altentaler Kogels erstmals begangen und die in diesen Anstiegsführen noch heute steckenden Haken geschlagen. Außerdem darf angenommen werden, daß der Genannte Erstbegeher folgender vor dem Ersten Weltkrieg bereits begangener Führen ist:

Katzentaler Fels: Ostwand, Westwand (Riß) Brucker Grat: Nordwand, Alte Südwand Tiefentaler Wand: Peiler Wand 
Südliche Wilhelmsnadel: Nordwand
Rusenschloß: Kamin 

Das herausragende Ereignis der frühen 20-er Jahre war die Erstbegehung der Westkante am Glasfelsen (3 Seillängen) im Jahre 1922 durch Kurt Leuze und Adolf Wenzelburger. Während vor dem Ersten Weltkrieg und in den ersten Jahren danach Kletterer im Blautal nur vereinzelt anzutreffen waren, änderte sich dies ab Mitte der 20-er Jahre. Neben Mitgliedern der Alpenvereins-Sektionen Ulm, Neu-Ulm und Turnerbund Ulm waren es auch Mitglieder des Skiclubs Blaubeuren sowie des Touristenvereins „Die Naturfreunde“, Ortsgruppe Ulm, die immer stärker als Blautal-Kletterer in Erscheinung traten. ln den 30er Jahren erfolgte die Erschließung weiterer Felsen, wobei Führen eröffnet wurden, deren Begehung noch wenige Jahre zuvor für unmöglich gehalten wurden.

1931 Wannenwändle: Südwand
1932 Felsenbank: Westkante
1934 Kreuzfelsen: Dülferriß
1936 Sirgenstein: Westriß

Selbst Während der Kriegsjahre wurde im Blautal geklettert. Das Wandbuch der Felsenbank weist im Jahre 1943 folgende Eintragung auf: „Nach harten und schweren Rußlandwochen während des Fronturlaubs und nach 3-jähriger Pause wieder am alten geliebten Felsenbankplatz Berg Heil! Schorsch Meier und Wilhelm Kling i. Gen. Urlaub“         

Nach dem Krieg wuchs eine neue Bergsteiger-generation heran. Die jungen Kletterer liebten ihr Blautal wie die alten.

Die Bedeutung des Blautals für die Vorbereitung größerer alpiner Unternehmungen

Um größere alpine Unternehmungen durchführen zu können, ist es nötig, sich theoretische und praktische Fähigkeiten im Bergsteigen und Klettern anzueignen. Um auch Extremsituationen meistern zu können, bedarf es großer Erfahrung und Routine. Um diese Voraussetzungen zu erfüllen, ist ein regelmäßiges Training erforderlich. Da die Alpen erst über 100 km entfernt von Ulm aufragen,         sind die hiesigen Bergsteiger auf die Kletterfelsen in unserer näheren Umgebung angewiesen. Neben den gemäßigten Bergsteigern trainieren auch Extrem- und Höhenbergsteiger damals wie heute für ihre Unternehmungen im Blautal.

ln der Zwischenzeit gibt es im Blautal Kletterführen nahezu aller Schwierigkeitsgrade. Schon immer herrschte im Blautal ein hohes Kletterniveau, aus dem im Zuge der Sportkletterentwicklung zahlreiche, immer anspruchsvollere Touren entstanden.
Nachdem das Dach der Großen Grotte, das bisher nur technisch bekletterbar war, erstmals ohne technische Hilfsmittel durchstiegen worden war, entstanden dort weitere athletische Dachrouten, so daß die Große Grotte heute zum größten frei kletterbaren Dach in ganz Deutschland zählt.

Von Blautalkletterern wurden nicht nur die schwierigsten Touren der Alpen begangen, sie waren auch bei vielen Expeditionen an den über 8.000 Meter hohen Bergen der Welt erlolgreich. Allein 4 Blautalkletterer sind unter den ersten 90 Mount Everest Ersteigern zu verzeichnen.
Auch hatten junge Blautalkletterer Erfolg am Gerro Torre in Patagonien (Südamerika), einem der schwierigsten Berge der Erde.